Der Elberadweg beginnt nicht etwa irgendwo, sondern direkt unter den höchsten Gipfeln Tschechiens. Vom Skiort Špindlerův Mlýn führt diese erste Etappe 25 Kilometer talwärts nach Vrchlabí – und sie hat es in sich. Während der Rest des Elberadwegs als gemütliche Flussroute gilt, beginnt hier alles mit einem alpinen Auftakt: schmale Sträßchen, knackige Abfahrten und immer wieder atemberaubende Ausblicke ins Riesengebirge. Wer den Elberadweg von der Quelle aus startet, sollte für diese Etappe ausreichend Zeit und vor allem ein zuverlässig funktionierendes Bremssystem mitbringen.
Wegverlauf im Detail
Die Tour startet im historischen Zentrum von Špindlerův Mlýn auf etwa 720 Metern Höhe. Direkt am Ortsrand verlässt der Radweg die Hauptstraße und folgt der noch sehr jungen Elbe in einem engen Tal nach Süden. Die ersten zehn Kilometer bis Vrchlabí sind geprägt von einem stetigen Gefälle – ihr verliert auf dieser Strecke knapp 250 Höhenmeter. Der Untergrund wechselt zwischen ruhigen Asphaltsträßchen und kurzen Schotterabschnitten. Größere Steigungen gibt es kaum, dafür aber einige technisch fordernde Passagen, in denen sich der Weg zwischen Felsen und dem Flussbett hindurchschlängelt. Wer mit Kindern oder schwerem Gepäck unterwegs ist, sollte diese Etappe in kleinere Häppchen teilen oder direkt in Vrchlabí starten.
Sehenswürdigkeiten am Weg
Die wahre Sehenswürdigkeit ist die Landschaft selbst – das Riesengebirge gehört zu den ältesten und ökologisch wertvollsten Mittelgebirgen Mitteleuropas. Direkt am Wegesrand liegen mehrere Aussichtspunkte mit Blick auf die Schneekoppe (1.603 m), den höchsten Berg Tschechiens. In Vrchlabí selbst lohnt das Riesengebirgsmuseum (Krkonošské muzeum) im ehemaligen Augustinerkloster einen Besuch. Es zeigt die Naturgeschichte der Region und beherbergt eine sehenswerte Sammlung historischer Skier. Auch das Schloss Vrchlabí mit seinem Renaissance-Innenhof verdient einen kurzen Abstecher.
Verpflegung und Pausen
Im Riesengebirge ist die Versorgungsdichte überraschend gut. Bereits nach wenigen Kilometern erreicht ihr die ersten Berggasthöfe (Bouda), die typisch tschechische Gerichte anbieten – Knödel mit Sauerkraut, Gulasch und natürlich tschechisches Pivo. Auf halber Strecke liegt der Ort Strážné mit mehreren kleinen Cafés. In Vrchlabí selbst findet ihr eine vollständige Auswahl an Restaurants, Bäckereien und Supermärkten. Pro-Tipp: Plant eine längere Mittagspause auf einer der Berggaststätten ein – die Aussichten dort sind unschlagbar.
Übernachtung in Vrchlabí
Vrchlabí ist auf Tourismus eingestellt und bietet eine breite Auswahl an Pensionen, Hotels und Apartments. Die meisten Häuser sind im Vergleich zu deutschen Preisen sehr günstig – eine einfache Pension liegt oft bei 25–40 € pro Nacht. Wer es ruhiger mag, übernachtet in einem der umliegenden Bergdörfer wie Lánov oder Hostinné. Camping-Freunde finden mehrere Plätze in der Umgebung; der nächstgelegene direkt am Weg ist der Camping Vrchlabí.
Schwierigkeit ehrlich eingeschätzt
Diese Etappe ist die anspruchsvollste auf dem gesamten Elberadweg. Wir haben sie mit Schwierigkeitsgrad 4 von 5 bewertet, weil sie technisches Können, gute Bremsen und eine gewisse Grundkondition voraussetzt. Bei Nässe oder im frühen Frühjahr (Restschnee in höheren Lagen) wird sie deutlich schwieriger. E-Biker haben hier weniger Vorteile als auf späteren Etappen, da das Gefälle vor allem das Bremsen fordert. Wer sich unsicher ist, kann mit dem Bus von Špindlerův Mlýn nach Vrchlabí fahren und erst dort starten – das verkürzt die Gesamttour nur um etwa 25 km.
Praktische Hinweise zur Etappe
Bevor ihr euch auf die Strecke Špindlerův Mlýn → Vrchlabí macht, lohnt es sich, ein paar praktische Vorbereitungen zu treffen. Die folgenden Tipps gelten als Ergänzung zu den klassischen Reisevorbereitungen und basieren auf den Erfahrungen vieler Radler, die diese Etappe bereits gefahren sind.
Anreise zum Etappenstart
Špindlerův Mlýn ist überwiegend mit der Bahn erreichbar – die nächste Bahnstation findet ihr meist im Etappentitel verlinkt. Plant bei der Anreise mit Fahrrad eine Reservierung im ICE oder IC ein, da Stellplätze begrenzt sind. Im Nahverkehr (RB, RE) ist die Mitnahme meistens ohne Reservierung möglich, manchmal mit Aufpreis. Wer mit dem Auto anreist, sollte am Etappenende die Möglichkeit zur Bahn-Rückfahrt prüfen.
Was ihr mitnehmen solltet
Für eine Tagesetappe von 25 Kilometern mit ca. 3.0 Stunden reiner Fahrzeit braucht ihr: ausreichend Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Person), Energieriegel oder Obst für unterwegs, Sonnenschutz (Cap, Sonnencreme, Sonnenbrille), eine Regenjacke (das Wetter kann sich schnell ändern), sowie das Standard-Pannenset (Ersatzschlauch, Multitool, Mini-Pumpe). Auf längeren Etappen empfehlen wir zusätzlich Reflektorbänder für die Abendstunden und eine kompakte Powerbank für Smartphone-Navigation. Kettenöl in einer kleinen Flasche kann auf Etappen mit häufigen Wechseln zwischen Asphalt und Schotter sinnvoll sein.
Pannenhilfe und Werkstätten
Entlang des Elberadwegs gibt es in den meisten größeren Orten Fahrradwerkstätten. Bei kleineren Pannen (Plattfuss, Schlauchwechsel) helfen euch oft auch Pensionen und Cafés direkt am Weg, besonders im ländlichen Bereich. Notiert euch vor der Tour die Telefonnummern der Werkstätten in den Etappenstädten – die Suche im Notfall mit leerem Akku ist ärgerlich. Eine Pannenhilfe-Versicherung wie ADFC-Pannenhilfe lohnt sich für längere Touren.
GPS-Navigation und Beschilderung
Die offizielle Beschilderung des Elberadwegs (das berühmte Logo mit dem stilisierten „E" und der Wellenlinie) ist auf der gesamten Strecke vorhanden, kann aber gelegentlich verdeckt oder beschädigt sein. Eine Smartphone-Navigation mit App wie Komoot, Bikemap oder OsmAnd ist daher empfehlenswert. Ladet die Karten unbedingt offline herunter, denn das Mobilfunknetz hat in einigen Auenabschnitten Lücken. Ein klassischer Fahrradtacho mit Distanz- und Zeit-Anzeige hilft bei der Routenplanung.
Etikette unterwegs
Der Elberadweg ist nicht nur Radler-, sondern oft auch Fußgänger- und Wanderweg. Klingelt rechtzeitig, fahrt rücksichtsvoll und überholt mit ausreichendem Sicherheitsabstand. In Naturschutzgebieten gelten besondere Regeln – bleibt auf den ausgewiesenen Wegen, hinterlasst keinen Müll und lasst die Tierwelt in Ruhe. In den Schutzgebieten ist das Betreten der Auenflächen außerhalb der Wege oft verboten. Hunde gehören in Naturschutzgebieten an die Leine.
Verbindung zu Familien.camp
Wer einen längeren Stopp einlegen oder Übernachtung mit Komfort verbindet, findet auf der Etappe Magdeburg → Tangermünde unseren Familien.camp in Bertingen. Der familienfreundliche Campingplatz liegt direkt am Elberadweg und bietet Plätze für Zelte, Wohnwagen und Hütten – auch als Tagesgast für ein Mittagessen im Café eine gute Adresse.