Diese Etappe markiert eine landschaftliche Zäsur – die Elbe verlässt das offene böhmische Tiefland und beginnt, sich durch eine zunehmend dramatische Sandsteinlandschaft zu graben. Auf 80 Kilometern fahrt ihr von Mělník nach Děčín, der letzten tschechischen Stadt vor der deutschen Grenze. Was hier beginnt, ist der landschaftliche Höhepunkt der gesamten tschechischen Strecke: das Tal der jungen Sächsischen Schweiz mit seinen Tafelbergen, Felstürmen und engen Schluchten.
Wegverlauf im Detail
Der Weg verlässt Mělník Richtung Norden und folgt der Elbe durch das Pohořský průlom, eine erste sanfte Schluchten-Passage. Über Štětí erreicht ihr die historische Festungsstadt Litoměřice, die mit ihrer prächtigen Renaissance-Altstadt zum Verweilen einlädt. Ab hier beginnt das České středohoří, ein vulkanisches Mittelgebirge mit charakteristischen Kegelbergen, das die Elbe in einem engen Tal durchschneidet. Die letzten 40 Kilometer bis Děčín führen durch eine spektakuläre Landschaft mit steilen Felsformationen und tiefen Wäldern.
Litoměřice: Renaissance-Perle Nordböhmens
Litoměřice (deutsch: Leitmeritz) gehört zu den schönsten Renaissance-Städten Tschechiens. Der zentrale Platz Mírové náměstí mit seinen pastellfarbenen Bürgerhäusern und der Pestsäule ist einer der schönsten Marktplätze des Landes. Sehenswert sind außerdem die Stephans-Kathedrale, das Bischofspalais und das ungewöhnliche „Hus-Kelch-Haus". Plant mindestens eine Stunde Pause ein – die Stadt hat einige hervorragende Cafés und Restaurants.
Děčín und sein Schloss
Děčín wird oft unterschätzt, hat aber einiges zu bieten. Das mächtige Schloss Děčín thront auf einem Felsen über der Elbe und beherbergt heute eine sehenswerte Galerie sowie einen Rosengarten mit fantastischer Aussicht. Direkt unterhalb des Schlosses beginnt die berühmte „Lange Fahrt" durch die böhmische Schweiz. Wer Zeit hat, sollte einen Halbtagesausflug in den Národní park České Švýcarsko (Nationalpark Böhmische Schweiz) einplanen – eine der spektakulärsten Sandsteinlandschaften Europas.
Verpflegung und Pausen
Litoměřice (Halbstrecke) ist der ideale Mittagsstopp. Die Restaurants am Marktplatz haben Außenbereiche mit Blick auf die historische Architektur. Zwischen Litoměřice und Děčín gibt es mehrere kleine Gartenrestaurants direkt am Fluss, oft mit eigener Anlegestelle für Schiffspassagiere. In Děčín selbst lohnt das Restaurant im Schloss mit seiner Aussichtsterrasse.
Übernachtung in Děčín
Děčín bietet als Tor zur Sächsischen Schweiz mehrere Hotels und Pensionen. Wer auf der deutschen Seite übernachten möchte, kann auch direkt nach Bad Schandau weiterfahren – die zusätzlichen 30 km sind durch das spektakuläre Felsental aber selbst eine Tour wert. Camping-Freunde finden mehrere Plätze in der Umgebung.
Praktische Tipps für die Etappe
Diese Etappe enthält die ersten dramatischen Landschaftspassagen am Elberadweg. Plant unbedingt Zeit für Foto-Stopps ein – die Felsformationen des České středohoří sind weltweit einzigartig. In Litoměřice lohnt mindestens eine Stunde Pause: Der Marktplatz ist einer der schönsten in Tschechien.
Beste Reisezeit
Mai bis Oktober. Im Hochsommer kann es in den engen Tälern stickig werden – früh starten oder Pause in den Mittagsstunden. Im Herbst (September/Oktober) leuchtet die Sandsteinlandschaft besonders schön, die Weinlese in der Region ist ein zusätzliches Erlebnis.
Anreise mit der Bahn
Mělník ist nicht direkt an die Bahn angebunden – nächster Bahnhof ist Mšeno (etwa 15 km). Děčín dagegen ist eine wichtige Zugstation, mit direkten Verbindungen nach Dresden, Prag und Berlin. Wer die Etappe rückwärts fährt (von Děčín nach Mělník), hat allerdings überwiegend Steigung.
Praktische Hinweise zur Etappe
Bevor ihr euch auf die Strecke Mělník → Děčín macht, lohnt es sich, ein paar praktische Vorbereitungen zu treffen. Die folgenden Tipps gelten als Ergänzung zu den klassischen Reisevorbereitungen und basieren auf den Erfahrungen vieler Radler, die diese Etappe bereits gefahren sind.
Anreise zum Etappenstart
Mělník ist überwiegend mit der Bahn erreichbar – die nächste Bahnstation findet ihr meist im Etappentitel verlinkt. Plant bei der Anreise mit Fahrrad eine Reservierung im ICE oder IC ein, da Stellplätze begrenzt sind. Im Nahverkehr (RB, RE) ist die Mitnahme meistens ohne Reservierung möglich, manchmal mit Aufpreis. Wer mit dem Auto anreist, sollte am Etappenende die Möglichkeit zur Bahn-Rückfahrt prüfen.
Was ihr mitnehmen solltet
Für eine Tagesetappe von 80 Kilometern mit ca. 6.0 Stunden reiner Fahrzeit braucht ihr: ausreichend Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Person), Energieriegel oder Obst für unterwegs, Sonnenschutz (Cap, Sonnencreme, Sonnenbrille), eine Regenjacke (das Wetter kann sich schnell ändern), sowie das Standard-Pannenset (Ersatzschlauch, Multitool, Mini-Pumpe). Auf längeren Etappen empfehlen wir zusätzlich Reflektorbänder für die Abendstunden und eine kompakte Powerbank für Smartphone-Navigation. Kettenöl in einer kleinen Flasche kann auf Etappen mit häufigen Wechseln zwischen Asphalt und Schotter sinnvoll sein.
Pannenhilfe und Werkstätten
Entlang des Elberadwegs gibt es in den meisten größeren Orten Fahrradwerkstätten. Bei kleineren Pannen (Plattfuss, Schlauchwechsel) helfen euch oft auch Pensionen und Cafés direkt am Weg, besonders im ländlichen Bereich. Notiert euch vor der Tour die Telefonnummern der Werkstätten in den Etappenstädten – die Suche im Notfall mit leerem Akku ist ärgerlich. Eine Pannenhilfe-Versicherung wie ADFC-Pannenhilfe lohnt sich für längere Touren.
GPS-Navigation und Beschilderung
Die offizielle Beschilderung des Elberadwegs (das berühmte Logo mit dem stilisierten „E" und der Wellenlinie) ist auf der gesamten Strecke vorhanden, kann aber gelegentlich verdeckt oder beschädigt sein. Eine Smartphone-Navigation mit App wie Komoot, Bikemap oder OsmAnd ist daher empfehlenswert. Ladet die Karten unbedingt offline herunter, denn das Mobilfunknetz hat in einigen Auenabschnitten Lücken. Ein klassischer Fahrradtacho mit Distanz- und Zeit-Anzeige hilft bei der Routenplanung.
Etikette unterwegs
Der Elberadweg ist nicht nur Radler-, sondern oft auch Fußgänger- und Wanderweg. Klingelt rechtzeitig, fahrt rücksichtsvoll und überholt mit ausreichendem Sicherheitsabstand. In Naturschutzgebieten gelten besondere Regeln – bleibt auf den ausgewiesenen Wegen, hinterlasst keinen Müll und lasst die Tierwelt in Ruhe. In den Schutzgebieten ist das Betreten der Auenflächen außerhalb der Wege oft verboten. Hunde gehören in Naturschutzgebieten an die Leine.
Verbindung zu Familien.camp
Wer einen längeren Stopp einlegen oder Übernachtung mit Komfort verbindet, findet auf der Etappe Magdeburg → Tangermünde unseren Familien.camp in Bertingen. Der familienfreundliche Campingplatz liegt direkt am Elberadweg und bietet Plätze für Zelte, Wohnwagen und Hütten – auch als Tagesgast für ein Mittagessen im Café eine gute Adresse.