Mit 110 Kilometern ist diese Etappe sogar noch länger als die vorhergehende – aber landschaftlich vielleicht die ruhigste auf der gesamten tschechischen Strecke. Ihr durchquert das fruchtbare böhmische Tiefland, fahrt vorbei an Burgen, Klöstern und endlosen Hopfenfeldern und erreicht am Ende den Weinort Mělník am Zusammenfluss von Elbe und Moldau. Eine logistisch klug geplante Etappe lässt sich gut in zwei Tage teilen, wobei sich Kolín, Nymburk oder Brandýs nad Labem als Übernachtungsorte anbieten.
Wegverlauf im Detail
Von Pardubice führt der Weg überwiegend auf Deichkronen und ruhigen Nebenstraßen durch das flache böhmische Tiefland. Die Elbe wird hier deutlich breiter und ruhiger – auch Schiffsverkehr nimmt zu. Ihr fahrt durch Kolín mit seiner gotischen St.-Bartholomäus-Kirche, durch Nymburk mit seinem mittelalterlichen Stadtkern und durch Brandýs nad Labem, wo Kaiser Karl IV. einst sein Sommerschloss hatte. Die letzten 30 Kilometer vor Mělník führen durch eine sanft gewellte Landschaft mit ersten Weinbergen.
Mělník: Wein, Burg und Flusszusammenfluss
Mělník thront auf einem Felsen über dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau und gilt als das Tor zum böhmischen Weinbaugebiet. Das Schloss Mělník mit seinen Renaissance-Galerien und der unterirdischen Weinkellerei gehört zu den Highlights der Etappe. Vom Aussichtsterrasse aus seht ihr direkt, wie die kleinere Moldau in die größere Elbe mündet. Probiert unbedingt einen Glas Ludmila – den lokalen Weißwein, der hier seit dem 9. Jahrhundert angebaut wird. Die Altstadt mit ihren historischen Gebäuden, der Pestsäule und dem mittelalterlichen Marktplatz lädt zum Bummeln ein.
Verpflegung und Pausen
Auf dieser Etappe gibt es viele charmante Pausenorte. Kolín hat eine kompakte Altstadt mit mehreren Cafés am Markt. In Nymburk lohnt das Restaurant Stará Pošta, in Brandýs nad Labem das Café im Schlosshof. Auch entlang des Wegs gibt es immer wieder kleine Imbisse und Gartenrestaurants direkt am Wasser – nutzt sie, denn die Distanz ist heute lang.
Übernachtung in Mělník
Mělník bietet eine gute Auswahl an kleinen, charmanten Hotels und Pensionen, viele davon mit Blick auf das Elbtal. Besonders empfehlenswert sind die Häuser direkt an der Stadtmauer. Wer Camping bevorzugt, findet wenige Kilometer flussabwärts den Camping Marina Mělník. Die Preise sind weiterhin sehr moderat.
Praktische Tipps
Diese Etappe ist landschaftlich angenehm, aber durch ihre Länge anspruchsvoll. Wer nicht trainiert ist, sollte sie unbedingt teilen. Wasservorräte mitnehmen und in den heißen Sommermonaten früh starten – schattige Abschnitte sind selten. Sonnenschutz ist Pflicht. In Tschechien zahlt ihr fast überall mit Karte, etwas Bargeld in Kronen ist für kleine Imbisse aber praktisch.
Beste Reisezeit
Die Etappe ist von Mai bis Oktober befahrbar. Im Hochsommer wird es im offenen böhmischen Tiefland sehr heiß – Sonnenschutz, ausreichend Wasser und ein früher Start sind Pflicht. Im Frühjahr und Herbst sind die Temperaturen angenehmer und die Landschaft spektakulärer (Hopfenblüte im Juni, Weinlese im September/Oktober).
Wegbeschaffenheit im Detail
Die Strecke verläuft zu etwa 80 % auf Asphalt, der Rest auf gut verdichtetem Schotter. Trekking-Räder und Tourenräder sind ideal, Rennräder eher nicht zu empfehlen. E-Bikes funktionieren problemlos – Lademöglichkeiten gibt es in fast allen Cafés und Pensionen entlang der Strecke. Eine Reservereifen-Pannenset gehört trotzdem in jedes Gepäck.
Praktische Hinweise zur Etappe
Bevor ihr euch auf die Strecke Pardubice → Mělník macht, lohnt es sich, ein paar praktische Vorbereitungen zu treffen. Die folgenden Tipps gelten als Ergänzung zu den klassischen Reisevorbereitungen und basieren auf den Erfahrungen vieler Radler, die diese Etappe bereits gefahren sind.
Anreise zum Etappenstart
Pardubice ist überwiegend mit der Bahn erreichbar – die nächste Bahnstation findet ihr meist im Etappentitel verlinkt. Plant bei der Anreise mit Fahrrad eine Reservierung im ICE oder IC ein, da Stellplätze begrenzt sind. Im Nahverkehr (RB, RE) ist die Mitnahme meistens ohne Reservierung möglich, manchmal mit Aufpreis. Wer mit dem Auto anreist, sollte am Etappenende die Möglichkeit zur Bahn-Rückfahrt prüfen.
Was ihr mitnehmen solltet
Für eine Tagesetappe von 110 Kilometern mit ca. 7.5 Stunden reiner Fahrzeit braucht ihr: ausreichend Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Person), Energieriegel oder Obst für unterwegs, Sonnenschutz (Cap, Sonnencreme, Sonnenbrille), eine Regenjacke (das Wetter kann sich schnell ändern), sowie das Standard-Pannenset (Ersatzschlauch, Multitool, Mini-Pumpe). Auf längeren Etappen empfehlen wir zusätzlich Reflektorbänder für die Abendstunden und eine kompakte Powerbank für Smartphone-Navigation. Kettenöl in einer kleinen Flasche kann auf Etappen mit häufigen Wechseln zwischen Asphalt und Schotter sinnvoll sein.
Pannenhilfe und Werkstätten
Entlang des Elberadwegs gibt es in den meisten größeren Orten Fahrradwerkstätten. Bei kleineren Pannen (Plattfuss, Schlauchwechsel) helfen euch oft auch Pensionen und Cafés direkt am Weg, besonders im ländlichen Bereich. Notiert euch vor der Tour die Telefonnummern der Werkstätten in den Etappenstädten – die Suche im Notfall mit leerem Akku ist ärgerlich. Eine Pannenhilfe-Versicherung wie ADFC-Pannenhilfe lohnt sich für längere Touren.
GPS-Navigation und Beschilderung
Die offizielle Beschilderung des Elberadwegs (das berühmte Logo mit dem stilisierten „E" und der Wellenlinie) ist auf der gesamten Strecke vorhanden, kann aber gelegentlich verdeckt oder beschädigt sein. Eine Smartphone-Navigation mit App wie Komoot, Bikemap oder OsmAnd ist daher empfehlenswert. Ladet die Karten unbedingt offline herunter, denn das Mobilfunknetz hat in einigen Auenabschnitten Lücken. Ein klassischer Fahrradtacho mit Distanz- und Zeit-Anzeige hilft bei der Routenplanung.
Etikette unterwegs
Der Elberadweg ist nicht nur Radler-, sondern oft auch Fußgänger- und Wanderweg. Klingelt rechtzeitig, fahrt rücksichtsvoll und überholt mit ausreichendem Sicherheitsabstand. In Naturschutzgebieten gelten besondere Regeln – bleibt auf den ausgewiesenen Wegen, hinterlasst keinen Müll und lasst die Tierwelt in Ruhe. In den Schutzgebieten ist das Betreten der Auenflächen außerhalb der Wege oft verboten. Hunde gehören in Naturschutzgebieten an die Leine.
Verbindung zu Familien.camp
Wer einen längeren Stopp einlegen oder Übernachtung mit Komfort verbindet, findet auf der Etappe Magdeburg → Tangermünde unseren Familien.camp in Bertingen. Der familienfreundliche Campingplatz liegt direkt am Elberadweg und bietet Plätze für Zelte, Wohnwagen und Hütten – auch als Tagesgast für ein Mittagessen im Café eine gute Adresse.