75 Kilometer flacher, ruhiger Weg durch das offene Elbtal – diese Etappe ist eine der entspanntesten am gesamten Elberadweg. Von Meißen führt der Weg an Riesa vorbei in die Renaissance-Stadt Torgau, wo das Schloss Hartenfels und die historische Altstadt warten. Die Etappe lässt sich gut an einem Tag bewältigen, kann aber auch in Riesa (Halbstrecke) geteilt werden.
Wegverlauf im Detail
Der Weg verlässt Meißen flussabwärts auf gut ausgebauten Asphalt-Radwegen. Die Landschaft öffnet sich zu weiten Auenflächen mit endlosen Sichtweiten. Bei Riesa erreicht ihr nach etwa 35 km die größte Stadt des Etappenabschnitts. Riesa ist nicht der charmanteste Ort am Elberadweg, hat aber alles für eine ordentliche Pause: Supermärkte, Cafés und Werkstätten. Hinter Riesa führt der Weg durch ruhige Auwälder und kleine Dörfer bis nach Torgau.
Torgau: Renaissance pur
Torgau ist eine der schönsten Renaissance-Städte Mitteldeutschlands und wurde im Mittelalter „Mutter der Reformation" genannt – Luther selbst wirkte hier mehrfach. Das Wahrzeichen ist das Schloss Hartenfels mit seinem berühmten Wendelstein-Treppenhaus, einer architektonischen Sensation der Renaissance. Im Schlosshof leben tatsächlich noch Bären – eine Tradition, die hier seit Jahrhunderten gepflegt wird. Die Altstadt mit dem Marktplatz, dem Rathaus und der Marienkirche (mit Luthergrab im Inneren) ist komplett autofrei und lädt zum Bummeln ein.
Die Begegnung 1945
Torgau erlangte am 25. April 1945 weltweite Bekanntheit durch die historische Begegnung amerikanischer und sowjetischer Truppen am Elbufer – der „Elbe Day". Das Denkmal am Ufer und die Ausstellung im Schloss erinnern daran. Für historisch Interessierte ein wichtiger Stopp.
Verpflegung und Pausen
Auf der Strecke gibt es einige sehr charmante Pausenmöglichkeiten. Direkt am Weg liegen mehrere kleine Gartenrestaurants in Mühlberg und Belgern – perfekt für ein deftiges sächsisches Mittagessen. In Torgau selbst lohnt das Restaurant „Schloss Hartenfels" und die historischen Cafés am Markt.
Übernachtung in Torgau
Torgau bietet eine schöne Auswahl an kleinen Hotels und Pensionen in historischen Gebäuden. Besonders empfehlenswert sind die Häuser direkt am Markt oder am Schlosspark. Auch hier gibt es mehrere Bett+Bike-zertifizierte Häuser.
Beste Reisezeit
Mai bis Oktober ist Hauptsaison. Die Strecke ist sehr offen – im Hochsommer kann es heiß werden, ohne viel Schatten. Wer Schatten sucht, plant für Mai/Juni oder September. Der häufigste Wind kommt aus West – auf der Strecke flussabwärts (nach Norden) eher Seitenwind.
Wegbeschaffenheit
Die Strecke ist überwiegend asphaltiert, teilweise mit Schotter-Abschnitten in den Auenbereichen. Geeignet für Trekking-, Touren- und E-Bikes; Rennräder sind eher nicht zu empfehlen. Familien mit Kindern können die Etappe gut an einem Tag bewältigen, für längere Pausen mit Picknick gibt es zahlreiche schöne Plätze.
Insidertipp Mühlberg
Mühlberg an der Elbe wird oft schnell durchradelt – zu Unrecht. Die kleine Stadt hat eine sehenswerte Klosterruine und ein Schloss, beides direkt am Wegesrand. Im Sommer ist der Biergarten am Schloss eine perfekte Pause.
Notfälle und Werkstätten
In Riesa (Halbstrecke) gibt es mehrere Fahrradwerkstätten mit guter Ausstattung – ideal, wenn unterwegs Probleme auftreten. In Torgau ebenfalls. Apotheken und ärztliche Notfallversorgung sind in beiden Städten vorhanden.
Praktische Hinweise zur Etappe
Bevor ihr euch auf die Strecke Meißen → Torgau macht, lohnt es sich, ein paar praktische Vorbereitungen zu treffen. Die folgenden Tipps gelten als Ergänzung zu den klassischen Reisevorbereitungen und basieren auf den Erfahrungen vieler Radler, die diese Etappe bereits gefahren sind.
Anreise zum Etappenstart
Meißen ist überwiegend mit der Bahn erreichbar – die nächste Bahnstation findet ihr meist im Etappentitel verlinkt. Plant bei der Anreise mit Fahrrad eine Reservierung im ICE oder IC ein, da Stellplätze begrenzt sind. Im Nahverkehr (RB, RE) ist die Mitnahme meistens ohne Reservierung möglich, manchmal mit Aufpreis. Wer mit dem Auto anreist, sollte am Etappenende die Möglichkeit zur Bahn-Rückfahrt prüfen.
Was ihr mitnehmen solltet
Für eine Tagesetappe von 75 Kilometern mit ca. 5.5 Stunden reiner Fahrzeit braucht ihr: ausreichend Wasser (mindestens 1,5 Liter pro Person), Energieriegel oder Obst für unterwegs, Sonnenschutz (Cap, Sonnencreme, Sonnenbrille), eine Regenjacke (das Wetter kann sich schnell ändern), sowie das Standard-Pannenset (Ersatzschlauch, Multitool, Mini-Pumpe). Auf längeren Etappen empfehlen wir zusätzlich Reflektorbänder für die Abendstunden und eine kompakte Powerbank für Smartphone-Navigation. Kettenöl in einer kleinen Flasche kann auf Etappen mit häufigen Wechseln zwischen Asphalt und Schotter sinnvoll sein.
Pannenhilfe und Werkstätten
Entlang des Elberadwegs gibt es in den meisten größeren Orten Fahrradwerkstätten. Bei kleineren Pannen (Plattfuss, Schlauchwechsel) helfen euch oft auch Pensionen und Cafés direkt am Weg, besonders im ländlichen Bereich. Notiert euch vor der Tour die Telefonnummern der Werkstätten in den Etappenstädten – die Suche im Notfall mit leerem Akku ist ärgerlich. Eine Pannenhilfe-Versicherung wie ADFC-Pannenhilfe lohnt sich für längere Touren.
GPS-Navigation und Beschilderung
Die offizielle Beschilderung des Elberadwegs (das berühmte Logo mit dem stilisierten „E" und der Wellenlinie) ist auf der gesamten Strecke vorhanden, kann aber gelegentlich verdeckt oder beschädigt sein. Eine Smartphone-Navigation mit App wie Komoot, Bikemap oder OsmAnd ist daher empfehlenswert. Ladet die Karten unbedingt offline herunter, denn das Mobilfunknetz hat in einigen Auenabschnitten Lücken. Ein klassischer Fahrradtacho mit Distanz- und Zeit-Anzeige hilft bei der Routenplanung.
Etikette unterwegs
Der Elberadweg ist nicht nur Radler-, sondern oft auch Fußgänger- und Wanderweg. Klingelt rechtzeitig, fahrt rücksichtsvoll und überholt mit ausreichendem Sicherheitsabstand. In Naturschutzgebieten gelten besondere Regeln – bleibt auf den ausgewiesenen Wegen, hinterlasst keinen Müll und lasst die Tierwelt in Ruhe. In den Schutzgebieten ist das Betreten der Auenflächen außerhalb der Wege oft verboten. Hunde gehören in Naturschutzgebieten an die Leine.
Verbindung zu Familien.camp
Wer einen längeren Stopp einlegen oder Übernachtung mit Komfort verbindet, findet auf der Etappe Magdeburg → Tangermünde unseren Familien.camp in Bertingen. Der familienfreundliche Campingplatz liegt direkt am Elberadweg und bietet Plätze für Zelte, Wohnwagen und Hütten – auch als Tagesgast für ein Mittagessen im Café eine gute Adresse.